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Antje Vollmer: Gott im Kommen?
Gegen die Unruhestifter im Namen Gottes

Von Silke Meier


“Die Frage nach Gott macht eben dann Sinn, wenn sie nicht zureichend beantwortet wird. Was ja wiederum nicht heißt, dass es gar keine Antwort gäbe.”
Antje Vollmer

Die Frage nach Gott wurde durch alle Zeiten hindurch gestellt. Antje Vollmer gibt in diesem Buch keine Antwort darauf, aber sie bohrt systematisch nach, warum diese Fragen die Menschen seit jeher beschäftigen. Ihre Absicht ist es, Klarheit zu bekommen und mit Weitblick „etwas Ruhe in dem lauten Geschrei der Unruhestifter im Namen Gottes zu schaffen.“ Dazu wären sanfte, langatmige Töne nötig - und die trifft sie punktgenau. Anfangs gibt sie eine knappe Einführung über (Natur-)Religionen und Gottesbilder und schreibt vom „missionarischen Fieber, das blind macht für die Tiefe des Weltverständnisses, das an anderen Orten gewachsen war.“

Als promovierte Theologin behandelt sie fachkundig, woher die Gottesbilder und Religion kommen. Seit Beginn des gemeinschaftlichen Zusammenlebens versuchten die Menschen ihre Existenz zu verbessern. Das Leben hielten sie für grundsätzlich gefährdet und erkannten, dass sie Schutz brauchten. „Nichts anderes ist gemeint mit den christlichen Erzählungen von der Vertreibung aus dem Paradies.“ Ähnliche Kurzmythen gebe es in vielen anderen Religionen und sie alle beschreiben die Erfahrung und Bedrohung innerhalb begrenzter Zeit. „Der Mensch im Paradies kennt das nicht, er lebt in bewusstlosem Glück und intensiver Sicherheit. Jenes zeitlose Wesen würde keine Kunst produzieren und keine Menschengemeinschaften zur gegenseitigen Absicherung gründen.“ Als weitere Gegebenheiten, die zur Religionsgründung führten, nennt Vollmer überwältigende Naturereignisse, die Erfahrung des Todes und die „Ambivalenz jedes Menschenwesens in Beziehung zu all den anderen Wesen.“

Die Gottesfragen seien also der Versuch, Antworten auf menschliche Fragen zu finden. Gott wird mitunter gesucht und gefunden als Ernährer, Vater, Mutter, Hirte, Fels und Beschützer. Er wird anerkannt als Weltenschöpfer, der kosmische Allmacht hat und „mich aus dem Nichts mit Gaben und Talenten geschaffen hat.“ Und Gott ist Legislative, Exekutive und Judikative in einem. Dies erfülle eine der Ur-Hoffnungen einer „geschundenen und am Leben verzweifelnde Menschheit.“ Anschließend beschreibt Vollmer umfassend und nüchtern, wie zwischen später Bronzezeit und Spätantike drei monotheistische Weltreligionen entstanden und sich eine Wende von polytheistischen zu monotheistischen Religionen vollzog.

Allen Fundamentalisten, säkularen Gegenreligionen und verschiedenen apokalyptischen Denkansätzen, die dem terroristischen Motiv begegnen möchten, oder ihm gar verfallen sind, möchte die Politikerin an dieser Stelle den Boden entziehen. „Wenn die gemeinsame Quelle, der gemeinsame Urtext akzeptiert ist, kann man sich nicht entkommen. Man muss miteinander darüber reden, was in diesem Urtext über Gott gesagt ist und was das für die Welt bedeutet, in der man gemeinsam lebt.“ Mit dieser Kenntnis könne „Religionskopie“ entlarvt und Religionsmissbrauch gemessen werden. So ließe sich unterscheiden, ob Gott im Kommen sei, oder sich etwas anderes von göttlichem Rang ankündigt und Unterwerfung beansprucht. Religiöse Fanatiker aus den eigenen Reihen verschont Vollmer nicht. Streitbar aber stets höflich benennt sie die Fieberträume derer, die das apokalyptische Ende der Welt herbei sehnen. Radikale, ungetröstete Gruppen gebe es seit dem 10. Jahrhundert. „Ihnen hatte die Ankunft des Gottes schon immer zu wenig Zeit.“ Nun gebe es derzeit eine neue, radikale, atheistische oder humanistische Gegenbewegung, deren oberflächliche Angriffe nicht wirklich zu fürchten seien.

Antje Vollmer würde sich entdogmatisierte Grenzgänger wünschen, die ihre eigene Verwurzelung nicht aufgeben. Neugierige Menschen, die sich für andere Lebensstile und Kulturen interessieren und im Dialog aus Respekt die Waffen senken lassen.

Ein äußerst wertvoller Beitrag in diesem Dialog ist die Stimme von Dr. Antje Vollmer.
Gebunden, 192 Seiten
VÖ: September 2007
Verlag: Kösel
ISBN: 978-3466367764



Quelle: Jesus.de



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Kommentare
Ihre Meinung zu diesem Artikel*
2 Kommentar(e)  
I_Believe 29.08.08 um 23:26 Uhr
2 Bewertungen 
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Es ist gut und wichtig sich darüber klar zu sein, wo man herkommt.
Dennoch ist Wissenschaft nicht Glaube. Glaube ist glauben. Und wenn Glaube, dann bitte lebendig und authentisch.

Mich würde mal interessieren, wie Frau Vollmers Ansicht in Bezug auf die "Ur"-gemeinde aus der Apostelgeschichte und die Apostel aussieht.

Warum muss Gott ruhig sein?! Gott kann viele Gesichter haben. Soweit ich Gott kenne, ist er nie langweilig und ruhig schon gar nicht, sonst wär ich jetzt nicht da wo ich bin.

Gegen die Verwissenschaftlichung von Glaube!

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dieses Kommentars:

hkmwk 29.08.08 um 09:35 Uhr
2 Bewertungen 
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Vor knapp dreieinhalb Jahrtausenden kam ein Nomadenvolk, das (wie viele Nomadenvölker) einen monotheistischen Glauben hatte, nach Kanaan, dessen Bewohner vorwiegend Bauern waren und (wie viele Bauernvölker) einen polytheistischen Glauben mit Fruchtbarkeitsreligion hatten. Die Einwanderer und Eroberter wurde auch bauern und passten ihre Religion entsprechend an: ihr Gott wurde nur ein Gott unter vielen, vor allem die Fruchtbarkeitsgötter Ba'l und Astarte wurden wichtig.

Und das wäre wohl des Ende der Geschichte gewesen, wenn der HERR dann nicht eingegriffen und gezeigt hätte, dass er mächtig ist und tatsächlich keinen Gott neben sich duldet. Ein Thema, um das ganze Bücher im AT kreisen.

Was Vollmer über den Ursprung "der Religionen" schreibt, mag zwar das sein, was Theologen darüber so beigebracht wird, aber letztlich sind es unbestätigte Spekulationen aus dem 19.Jh.

Beim jüdisch-christlichen Glauben ging es immer wieder um die Wahrheitsfrage: wer ist der wahre Gott, gibt es noch einen anderen. Dass bei denjenigen, die diese Tradition aufrechterhalten, "missionarisches Fieber" diagnostiziert wird, spricht in meinen Augen gegen Vollmer (und ihre theologischen Lehrer).

Unser Rezept gegen Gewalt sollte nicht Relativierung der Wahrheit sein, sondern die Liebe, die Christus und vorgelebt hat.

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