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Quo vadis, christliche Musik?
»Wohin gehst du?«

Von Ralf Schröter


(sound7.de) - Quo Vadis CCM Deutschland?! Wo ist der Platz für christliche Musik? Was muss sich an dieser Szene ändern? Wo geht die Reise hin? Sound7 hat namhafte Persönlichkeiten und Beobachter der Szene gefragt. Einer von ihnen ist Ralf Schröter, Geschäftsführer der Sound `n Scripture GmbH und J-STAR Records GmbH.


Quo vadis ist eine lateinische Phrase mit der Bedeutung »Wohin gehst du?«. Den apokryphen Petrusakten nach begegnete der Apostel Petrus auf seiner Flucht aus Rom Christus und fragte ihn »Quo vadis, Domine?« (»Wohin gehst du, Herr?«) und erhielt zur Antwort »Venio Romam iterum crucifigi.« (»Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen«). Daraufhin kehrte Petrus um, wurde in Rom gefangen genommen und gekreuzigt. Diese Situation wird in den Akten des Paulus und der Thekla beschrieben.
(Quelle: www.wikipedia.de)


Die Diskussion um die Zukunft der christlichen Popmusik mit dieser dramatischen Frage »Quo vadis?« zu starten ist sicherlich sehr gewagt aber meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Wäre ich prophetisch begabter, ich würde mir sicherlich sehr wünschen eine Antwort auf diese Frage zu »schauen«!


Christliche Popmusik hat mich als Jugendlicher geprägt, bewegt, mich zum Nachdenken gebracht und mich in meinem Glauben weiter gebracht. Schon alleine deshalb wünsche ich mir eine sonnige Zukunft für christliche Popmusik, allerdings glaube ich, dass christliche Popmusik nur dann Sinn und Zukunft hat wenn gewisse Basisvoraussetzungen stimmen.


Da ich zutiefst natürlich auch keine Ahnung habe wie und wohin sich die christliche Popmusik denn nun WIRKLICH entwickelt, möchte ich einfach nur fünf Thesen aufstellen die meiner Meinung nach immanent wichtig sind für Musiker, Musikkonsumenten und die Musikindustrie. Fünf Thesen die für eine positive Entwicklung wesentlich sind.


Ich möchte nicht diskutieren was denn »christliche Popmusik« ausmacht und ob es »christliche Musik« überhaupt geben kann. Auch werde ich keine Unterteilungen machen in Worship, mainstreamorientierte-, gemeindeorientierte- oder sonst wie orientierte Musik.


1.) Christliche Popmusik ist Dienst
Der Musiker dient dem Publikum, der Gemeinde und Gott. Dieser Aspekt ist meiner Ansicht nach oft in den Hintergrund gerückt. Wenn christliche Popmusiker wieder einen dienenden Charakter entwickeln, dann wird das positive Auswirkungen auf ihre Arbeit haben. Einmal, weil vom Dienst für Christus so etwas wie Segen ausgeht, und dann, weil Musik neben dem Kunstcharakter auch immer den »Dienstleistungscharakter« haben muss, wenn ich viele Menschen erreichen will.


In der Tat: Wenn Musik zum Selbstzweck wird, dann kann das mit einem gewissen Kunstverständnis einhergehen, der in der Geschichte immer auch neue tolle kreative Strömungen hervorgebracht hat. »Poesie la pure« ist ein phantastischer Ansatz um aufzurütteln und Grenzen zu erforschen. Diese Entdeckungen sollten auch christliche Musiker und Künstler machen, aber ich sehe dies in einem bestimmten Raum und nicht als Basis für massenkompatible christliche Popmusik. (Pop hier wirklich im Sinne von »populär« gesehen.)


2) Christliche Popmusik ist Entertainment
Wenn ich Musik höre, dann will ich unterhalten werden. Ich schalte das Radio an um mich abzulenken, um mich wohl zu fühlen. Ich gehe auf ein Konzert um aus meinen vier Wänden herauszukommen um Spaß zu haben, meine Freunde zu treffen. Ich gehe nur dahin wo ich gut unterhalten werde, so wie ich im Fernsehen so lange zappe bis ich auch hier auf einen Sender stoße, der mich gut unterhält. Unterhaltung oder Entertainment müssen dabei nicht leicht und locker oder »flach« daher kommen. Aber Unterhaltung ist überraschend, kurzweilig und intensiv. Wenn wir den Entertainmentfaktor in unseren Konzerten vernachlässigen müssen wir uns nicht wundern wenn sich unsere Wege und die des Publikums nicht mehr kreuzen.


3) Christliche Popmusik braucht Profis auf der Bühne
Wenn ich in der deutschen Fußballnationalmannschaft spielen will, dann gehe ich in einen Verein, trainiere sechs Stunden am Tag und werde irgendwann Fußballprofi. Wenn ich Bäcker werden will, dann mache ich eine Ausbildung, lege eine Prüfung ab, schinde mich als Geselle und bin irgendwann Meister. Wenn ich christlicher Popmusiker werden will, dann spiele ich zehnmal im Jahr in irgendwelchen Gemeinden, probe alle zwei Wochen und wundere mich dass nichts passiert..... Viele Musiker verbringen mehr Zeit in der Woche mit ihrer elektrischen Eisen- oder Carrerabahn als mit ihrer elektrischen Gitarre so scheint mir.


Realität oder böse Unterstellung? Ich wünsche mir mehr Musiker, die sich für ihr Talent aufopfern, die 100 Konzerte im Jahr und mehr spielen ohne gleich von Beginn an horrende Gagenforderungen zu haben....Musiker, die jede Woche zwei Songs schreiben um dann am Ende des Jahres aus 108 Liedern die Songs für ihre nächste CD auszusuchen....Musiker, die sich in Ruhe überlegen ob und was sie zu sagen haben bevor sie eine Bühne betreten.
Wo seid ihr?


4) Christliche Popmusik braucht Profis hinter der Bühne
Wenn ich eine CD erfolgreich vermarkten will, dann ringe ich in einer Plattenfirma an dem Singlehit, der die Herzen und die Radios stürmt. Ich arbeite an einem Gesamtkonzept. Ich suche gute Storys und der Manager versucht zusammen mit dem Künstler einen Raum zu schaffen, der es mir ermöglicht an der Musik professionell zu arbeiten.


Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit von Musikern, Managern, Marketingexperten und Plattenfirmen. Wir brauchen die professionellen Strukturen, die es einem hoffnungsvollen Talent auch finanziell ermöglichen sich für einen bestimmten Zeitraum ganz in die Musik zu investieren. Wo seid ihr? (In diesem Fall fasse ich mich auch gerne an die eigene Nase, wobei wir hier mit Sound `n Scripture intensiv versuchen diesen Weg zu gehen.)


5) Christliche Popmusik braucht Christus
Ist es nicht vielleicht manchmal besser keine christliche Popmusik zu machen? Man hat nicht den Druck immer von Jesus singen zu müssen, man muss es keinen Gemeinden recht machen, man wird nicht immer gleich in die christliche Ecke geschoben... Wenn man so denkt, dann ist es besser keine christliche Popmusik zumachen denn dann ist es mehr Last als Lust.


Ich glaube, dass es einer wie auch immer gearteten Berufung bedarf christliche Popmusik zu machen. Die Leidenschaft für Jesus sollte größer sein, als die für die Musik. Die Beziehung zu ihm sollte enger sein als die Beziehung zu meinen Songs, meiner Snaredrum oder meiner Merchandise Verkäuferin.... Wichtig hierfür ist einfach die Frage ob ich in einer lebendigen Beziehung mit Christus stehe. Das ist eine gute Frage, die ich mir auch jeden Tag stelle und ohne die man nicht im christlichen Musikbusiness aktiv sein sollte.


Ralf Schroeter

Geschäftsführer
Sound `n Scripture GmbH
J-STAR Records GmbH




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Kommentare
Ihre Meinung zu diesem Artikel*
4 Kommentar(e)  
Ralf Stephan 25.11.06 um 18:59 Uhr
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Ja, da steckt viel Wahrheit drin. Wohl auch in der Frage nach der Grundmotivation im christlichen Sektor Musik zu machen. Da erinnere ich noch gut jene Zeiten, in denen sich seltsamerweise diverse mehr weniger Musikbegabte in das Anbetungstean berufen sahen. Seltsamerweise aber so wenige in eine andere Mitarbeit in der Gemeinde, - so rampenlichtgeschwängerte Dienste wie Jungschar, oder Altenbesuche, ... .
Der Starkult machte nicht einmal vor EC-Chorleitern halt. Musik machende Menschen - nun, sie stehen sicher schneller als andere in der Gefahr "Stars" sein zu wollen.
Die Frage nach dem Wohin der christlichen Musik ist wohl auch aus anderem Grund berechtigt.
Also ich bin noch kein Altvorderer, aber noch mit so Liedermachern wie Arno und Andreas gross geworden. Man mag es mir verzeihen, - damals hatten die Texte noch etwas mehr Aussage. Nein, nichts gegen Anbetungslieder, aber textlich sind die doch irgendwann recht einseitig und - sorry - mitunter recht platt, oder ?
Da bleibt dann irgendwann nur noch der Griff in die Notenkiste, und seltsamer Weise klingt dass auch oft sehr ähnlich.
Die Frage nach der Motivation und damit wohl auch nach der Qualität in mancher Hinsicht steht sicher im Fordergrund.
Wäre schön, wenn mal wieder ein paar Jesusliebende Liedermacher aufstehen, die auch anderes zum Thema machen als Anbetung. Muß ja nicht gleich Paul Gerhard sein, aber das Leben mit Jesus besteht ja nicht nur mehr aus Halleluja, sondern auch aus ganz handfesten Alltagsfragen.
Die weltliche Musikszene hat dass nie verlernt, - Musik ist Inhaltsträger, - da dürfen wir uns dann jeden Sch... anhören. Also liebe Musikbegabten, wie wärs mal mit mehr Texten zum Leben, nicht nur zum Beten. Lieder mit Alltagsthemen voller Ermutigung, ethischer Wegweisung, gesellschaftlicher Kritik, Selbstirronie und mal ein bischen "Revoluzern", - pennen doch eh schon alle, in der Alles-wurscht-generation.
Texte die herausfordern, - keine Idee ? Na da gabs doch mal Keith Green, A+A, Theophilus, Larry Norman, ... so Leute, die ins Leben hineinsangen, - vor der Zeit, als alle auf die In-spur Anbetungsmusik spranngen.
Sagt was ihr Musiker, für die Menschen unserer Zeit, tragt Botschaften aus Gottes Geist für eine Generation die vom Textschrott sekularer Musik geprägt wird.

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Daniel Röger 23.11.06 um 00:55 Uhr
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Interessant ist, dass Ralf Schroeters Jahr bei 108 Songs und 2 Songs pro Woche 54 Wochen besitzen müsste. ;-) Aber das nur am Rande, denn...
... der Artikel ist top!
Es hat mir wirklich Freude gemacht, ihn zu lesen und ich kann jedes Wort dick unterstreichen! Ralf Schroeter steht definitiv auf der richtigen Warte, um eine solche Beurteilung abgeben zu können... und die zwei zusätzlichen Wochen gönnen wir ihm von Herzen... :-)

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Barbara Sturm 22.11.06 um 19:27 Uhr
2 Bewertungen 
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Ich bin Mitglied einer christlichen Band und finde manche Aussagen in dem Artikel doch fragwürdig. Wir sind keine professionellen Musiker und für Auftritte nehmen wir kein Geld (lediglich Anfahrtskosten). Keiner von uns könnte sich es leisten 100 Auftritte im Jahr zu haben, denn wir müssen ja auch Geld verdienen irgendwoher. Mehr als alle zwei Wochen proben ist auch nicht drin, weil wir alle aus unterschiedlichen Orten kommen und eine Stunde fahren müssen. Ich denke, dass Gott nicht nur professionelle Musiker möchte, sondern auch kleine Bands die keine riesen Gage haben wollen und so einfach des Dienens Willen von Gott weiter erzählen. Eine Judy Bailey könnte sich zum Beispiel niemand für einen kleinen Jugengottesdienst leisten. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Musiker die pro Woche 2 songs schreiben, weil man auch als Christ zum Leben ein wenig Geld benötigt und das auch verdienen muss. Von den Auftritten einer "Hobby-Band" kann man ja leider nicht wirklich leben, meistens reicht es ja nicht einmal für gutes Equipment!

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Nina Reinhardt 22.11.06 um 13:32 Uhr
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