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Professor Friedrich Wilhelm Graf lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München systematische Theologie und Ethik (Foto vom 20.9.06). 22.02.2008
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(epd) -
Die Theologischen Fakultäten in Deutschland sind nach Ansicht des Münchner Hochschullehrers Friedrich Wilhelm Graf in einer Krise. In einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Donnerstagsausgabe) kritisiert der evangelische Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mangelnde Reformbereitschaft, zu viel Spezialistentum und zu wenige neue Denkansätze. Auch gebe es einen Mangel an geeignetem wissenschaftlichen Nachwuchs. Darüber könne auch der weltweite Ruhm einzelner Theologen nicht hinwegtäuschen.
Zwar sei Religion derzeit ein akademisches Modethema mit hoher medialer Aufmerksamkeit, so Graf: «Aber die konfessionellen Theologien profitieren davon nur zu einem geringen Teil.» Diese hätten in «den letzten dreißig Jahren erheblich an religionsanalytischer Deutungskraft eingebüßt». Die große Tradition streng wissenschaftlicher Theologie in Deutschland werde sich nur fortführen lassen, wenn die Theologen wieder mehr Deutungskompetenz für Christenrum und Kultur erlangen.
Die Zahl der Studierenden habe sich in den letzten zwanzig Jahren halbiert, auch wenn sie gegenwärtig wieder steigt, fügte Graf hinzu. «Darunter sind durchaus gebildete, ja brillante Köpfe. Aber sie schlagen nach exzellenten Examina oder Rigorosa keine akademische Laufbahn ein. Noch weniger gehen sie in die Kirchen.» Intelligente Jüngere suchten vielmehr ein berufliches Umfeld, das Chancen freier Kreativität eröffnet sowie Experimentierlust und Innovationsfreude prämiert.
Die Kirchen seien für sie daher keine attraktiven Arbeitgeber, «weil hier über Karrieren weniger nach Kriterien von Kompetenz und Leistung, sondern primär im kirchenpolitischen Stellungskrieg und klerikalen Dschungelkampf entschieden wird.» Viele junge Theologen wanderten daher in die Wirtschaft, etwa in Personalabteilungen global agierender Unternehmen, in die Medienindustrie, aber auch in Werbeagenturen ab. Graf: «Den Kirchen bleiben die weniger Denkfleißigen und leider auch nicht wenige Glaubensenge.»
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